Totaler Einsatz beim Waldfest

 

Am 4.8.1985 hat die Stadt dem MGV die Organisation des Stadtwaldfestes am Schillerstein anvertraut: „Der Einsatz war hoch, doch der Erfolg gab ihm Recht: Das Waldfest der Stadt Euskirchen anlässlich der (erneuten) Einweihung des Schillersteins im Stadtwald fand großen Zuspruch. Über fast 8 Stunden herrschte unerwarteter Andrang (2500 Besucher). Mit Speisen und Getränken war kaum nachzukommen, Kuchen, Waffeln und Kaffee bald ausverkauft. Die Kinder hatten ihre Kurzweil an Wurfbuden und anderen Aktivitäten, Riesenspaß bereitete auch eine große Luftkissenburg. Der totale Einsatz von MGV und Kirchenchor wurde - verdientermaßen lobend herausgestellt. "

 


Sänger werden nicht jünger

 

„Zur diesjährigen Großkirmes trat der MGV wieder mit einem umfangreichen Programm in die Öffentlichkeit. Als die zahlreichen Besucher am Samstag zum Kirmesballl in der Schulturnhalle anrückten, war die mühselige Plackerei beim Aufbau und den übrigen Festvorbereitungen fürs erste vergessen. Alle Positionen waren besetzt, alle Hilfskräfte eingeteilt; der Kühlwagen gut gefüllt; die Tanz-Show-Band „ The New Candys“ bester Laune, Kellner und Losverkäufer in den Startlöchern, das Wechselgeld von den Kassierern geprüft das Wertmarken-Einmaleins zurechtgelegt die Gläser gespült; die Bierfässer angeschlagen, Auge und Ohr des Vorsitzenden überall...kurz, das Fest konnte beginnen. Es lief dann, mit einer kurzen Pause am ganz kühlen Sonntagmorgen, durch bis zum späten Abend und letzten Losaufruf der Tombola. Dazwischen gab es viel Tanz, viel Bier, viele Fritten und viele Tombola Preise. Höhepunkt war das Konzert der „Original Eschweiler Fanfaren Trompeter' das viele begeisterte Besucher anzog. Dabei hatte es knapp eine Stunde vor Showbeginn noch geregnet. Doch wie seit Jahren schon war auch an diesen Kirmestagen Petrus ein verlässlicher Freund des MGV - kein Wunder bei dem großen Repertoire an sakralem Liedgut. – Bei aller Euphorie nach dem gelungenen Fest bei allem Stolz darauf den Stotzheimern wieder etwas geboten zu haben, sollte nicht unbemerkt bleiben, dass das große Aufräumen hinterher eine Menge Zeit und Kraft einfordert und die Chormitglieder nicht jünger werden. "

 


Die Ära Schümer beginnt

 

Nach diesem schönen Höhepunkt läuft das Chorleben nicht automatisch in gleichem Schwung weiter. Auf der Generalversammlung zu Beginn des Jahres 1988 - Mitgliederstand 43 Aktive - schlägt der Chorleiter Hans Sieverings in seinem Lagebericht kritische Töne an und erklärt überraschend seinen Rücktritt: Der neue Dirigent, der Ende März 1988 seine Arbeit aufnimmt, Manfred Schümer, ist für den MGV wahrhaftig kein Unbekannter. Als virtuoser Solist und Begleiter am Klavier und quasi als Vizechorleiter hat er sich schon mehrfach bewährt. Der Musiker mit Hochschulabschluss übernimmt also auf Anfrage des Vorstands die Chorleitung. Er geht seine Aufgabe frisch und einfallsreich an. „Das traditionelle Maiansingen, gemeinsam mit dem Singkreis Kuchenheim, in beiden Orten als offenes Singen angeboten und durchgeführt; wurde diesmal - nicht zuletzt wegen der starken Beteiligung der Bevölkerung - für die Sänger/innen zu einem Erfolgserlebnis, zumal es dem Chorleiter überzeugend gelang, das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Die Freude über die gelungene Veranstaltung fand beim anschließenden Umtrunk in gemeinsam geschmetterten Trinkliedern ihren hörbaren Ausdruck." Es fällt auf, dass der junge Dirigent sofort damit beginnt, den Auftritt der Sänger mit einem Gemischten Chor zu verbinden.

 

 

 


Lob vom neuen Chorleiter

 

Der erste Erfahrungsbericht des neuen Dirigenten vom Dreikönigstag 1989 klingt sehr ermutigend „In seinem Bericht bescheinigte der Chorleiter Manfred Schürmer den Sängern eine lobensweite Geschlossenheit und gute Stimmkultur. Beides habe seine Entscheidung, den Chor zu übernehmen, wesentlich beeinflusst. Außerdem sage ihm die lockere, freundschaftliche Atmosphäre zu, die der Chorarbeit förderlich seil Sein Ziel sei es leistungsorientiert ein gewisses Niveau anzustreben. Er dankte den Sängern für das bisher gezeigte Engagement und die gute Zusammenarbeit; stellte aber auch harte Probenarbeit in Aussicht. "

 


Drei großartige Festtage

 

Schon im Juni dieses Jahres 1989 können der Chor und sein Leiter die Früchte ihrer Arbeit der Öffentlichkeit anbieten.

E. Schnicke berichtet in der Köln Rundschau: „Ganz im Zeichen der 110-Jahr-Feier des Männergesangvereins stand das Wochenende in Stotzheim. Im großen Festzelt auf dem Raiffeisenplatz machte der Festkommers am Freitagabend den Anfang. Der Musikverein Kreuzweingarten-Rheder eröffnete den Abend musikalisch, dann begrüßte MGV- Vorsitzender Josef Höller die Gäste, ehe der Jubelchor zusammen mit dem Männerchor Zülpich 1844 mit „Dir, Seele des Weltalls" von Mozart sein Können zeigte. Den offiziellen Teil abschließend brillierte der Chor, der unter der Leitung von Manfred Schümer steht und heute 42 aktive Mitglieder zählt; noch einmal zusammen mit dem Männergesangverein Zülpich 1844 in der „Landerkennung" von Edvard Grieg." Aus dem Bericht von Heinz Mertens: „Nicht erwähnt ist dagegen, dass der Konzertflügel wieder einmal von Euskirchen herbeigeschafft werden musste - eine Tortur für Mensch und Instrument. " „Die umfangreichen Vorarbeiten für das Bläck Fööss-Konzert am zweiten Festtag - von der komplizierten Platzreservierung bis

 zur Bereitstellung des Wittkamp-Wohnwagens als mobiler Künstlergarderobe - hatten sich gelohnt Das Festzelt platzte aus allen Nähten.

Das Wetter konnte nicht besser sein, die Temperaturen waren einsprechend das Bier floss in Strömen. Es kam zu Panikkäufen!!! - Schwerstarbeit für das Personal." „Der dritte Tag begann mit einer Festmesse unter Mitwirkung des Posaunenchors der evangelischen Kirchengemeinde Flamersheim und des MGV.

Der Gottesdienst im Festzelt war ungewöhnlich gut besucht. " „Die vom MGV vorgetragene, Deutsche Messe' von Hermann-Josef Rübben klang zwar vielen Gottesdienstbesuchern ungewohnt in den Ohren, wurde aber dennoch gut aufgenommen." „Allmählich ließ die Anspannung der vergangenen Jubeltage nach und die Sänger fanden am Bierstand zu einer fröhliche Runde zusammen. Übrigens will jemand gehört haben, dass spät in der Nacht noch geschrien worden sei Geschrien – das können keine MGV-Sänger gewesen sein. "

 


Das Gutachten ermutigt

 

Schon lange nicht mehr hatten sich die Stotzheimer Sänger einem Gutachtersingen gestellt. Und nun hier sogar als gastgebender Verein! Wie hat er abgeschnitten mit seinen vorgetragenen Werken „An die Freunde" von G. Zinngräbe und „La Morettina“ von B. Weber? „Tonreinheit.' gut; Chorklang (Aussprache, Stimmausgleich, Stimmbildung): gut minus' Gestaltung (Auffassung, Dynamik, Phrasierung, Rhythmik): gut. Eine ansprechende Leistung, ohne jedoch durch einen etwas groben und voluminös anmutenden Chorklang einbüßte. Hier bieten sich Einsingübungen mit Zungen- und Lippen-Verschlusskonsonanten und anschließenden Vokalen an.

Der Stimmausgleich ist recht gut gelungen. Die Vokale bedürfen des Klangausgleichs. Der gute Eindruck wurde durch das Auswendigsingen noch unterstrichen. Der Chor sollte nach weiterer kontinuierlicher Arbeit am Kreisleistungssingen teilnehmen. "

 

 


Die Frauen kommen

 

Finanziell steht der MGV so gut da wie nie zuvor. Nach einer großzügigen Spende des Stotzheimer Fabrikanten Halstrick kann er sich sogar für 10.000 DM den Kauf eines Flügels leisten, der im Probenraum aufgestellt wird.

Nun leitet der Dirigent seit einiger Zeit einen Gemischten Chor, den „Singkreis“ im benachbarten Kuchenheim, und hat ihn bei einem Konzert der Stotzheimer Männer im Januar 1989, dass unter dem Motto „Klänge aus dem Süden" stand, einbezogen. Vermutlich unter dem Eindruck dieses Auftritts fasst Josef Höller im Oktober des gleichen Jahres mit voller Unterstützung des Chorleiters den Aufbau eines Stotzheimer Frauenchores „als selbständiger Einheit" ins Auge und teilt dies den Männern mit. „Eine Zusammenarbeit mit dem MGV, der als Männerchor bestehen bleibt; wird angestrebt." - Im Februar des nächsten Jahres können Höller und Schümer 27 Damen zur ersten Probestunde begrüßen. Neun Wochen später tritt der Frauenchor schon mit zwei Liedern auf dem Altentag auf.

Aus dem Kurzbericht des neuen Schriftführers Gerd Meurer wird deutlich, wie eng die beiden Chöre zusammengehören: „Unser Dirigent stellt den MGV als den größten Chor der Stadt Euskirchen vor. Welcher Chor hat auch schon 35(!) Sängerinnen und 40 Sänger in einem Chor vereint?!" - Beim Kreissängerbundkonzert in Bad Münstereifel treten die Damen mit fünf Liedern auf und singen Verdis „Chor der Zigeuner" mit den Stotzheimer Männern und dem Kuchenheimer „Singkreis“ zusammen.

Nachdem die Sängerinnen in diesem Vierteljahr noch viermal mit dem Männerchor aufgetreten sind, erweitern die Herren in der Mitgliederversammlung Anfang 1991 ihren Vorstand um vier Damen.


KSB-Vorstand in Stotzheimer Hand

 

Zu der großartigen Kraftentfaltung, die der MGV in diesen 90er Jahren zeigt und die wohl den Höhepunkt in seiner 125jährigen Geschichte darstellt, tragen die Frauen immer mehr bei. So ist es kein Zufall, dass zwei Jahre nach der Gründung die Sprecherin Marianne Meier, übrigens die Tochter des langjährigen 2. Vorsitzenden und Schriftführers Willi Breuer, als Frauenreferentin in den Vorstand des Kreissängerbundes einzieht, in dem sich auch Manfred Schümer als Kreis-Chorleiter, Josef Höller als 2. Vorsitzenden und Johannes Knipp als Kassierer befinden. Gemeinsam machen sie die Stotzheimer zur stärksten „Fraktion“ in diesem Gremium.

Man versteht sich schon ausgezeichnet Das Programmheft eines Konzerts, das die Stotzheimer Chöre mit dem „Singkreis“ und Kölner Gesangssolisten im Stadttheater zugunsten der „Hilfe für das autistische Kind“ veranstalten (Schön, dass der MGV wieder an die gemeinnützige Zielsetzung von 1879 denkt), stellt die Sontheimerinnen mit folgenden Worten vor: „Nach 121 Jahren des Schweigens traten auch die Damen in Stotzheim ins Rampenlicht und gründeten innerhalb des Männerchores als eigene Einrichtung einen Damensingkreis mit heute 36 Sängerinnen. Gelegentlich allerdings vergessen die Damen ihre gesangliche Emanzipation und treten mit dem MGV als gemischter Chor auf " Man versteht sich schon ausgezeichnet und ist richtig liiert, wenn auch noch nicht „verheiratet". Dementsprechend wünschen die Frauen 1997 eine Änderung des offiziellen Briefkopfes; der Vorstand beschließt, dem alten, seit 1957 geltenden Namen einen Untertitel beizufügen: Frauenchor - Männerchor. – Der intensive Austausch mit dem Frauenchor aus der Partnerstadt Basingstoke wird, zumindest in der ersten Zeit, von den Stotzheimer Sängerinnen getragen. Beim Konzert zum 120jährigen Bestehen des MGV hat der Frauenchor mit seinen 35 Damen den Männerchor (30) überflügelt. Sie demonstrieren in eigenen Auftritten ihre Selbständigkeit und unternehmen gesellige Fahrten, z.B. den Besuch des Kölner Weihnachtsmarktes, bei denen sie die Chormänner ganz einfach zu Hause lassen.

 


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